Letzte Änderung: 17.02.2017 um 08:56:40 ● Erstveröffentlichung: 09.08.2016 ● Autor: Muħammad Ibn Maimoun
Erläuterungen: {erh.} = „Erhaben und herrlich gepriesen sei Gott“ / (s.) = „Segen und Friede sei mit dem Propheten“

Die Weisheiten und Effekte der herabgebrachten Normen

Häufig wird nach dem Sinn der im Sendschreiben Gottes und in der Lehre seines Propheten enthaltenen Direktiven und sakrosankten Verbote gefragt. Nicht jedem ist dieser ersichtlich. Diese hier nur begonnene und auf allmähliche Erweiterung ausgelegte Sammlung bietet hierzu Aufklärung oder zeigt wenigstens die positiven Effekte der jeweiligen Norm auf.

Ein besonderes Anliegen dieser Schrift ist es, vorschnellen Behauptungen zu begegnen, ein Teil der großen Normen habe zur Offenbarungszeit zwar einen Sinn und Zweck gehabt, sei aber in der heutigen Zeit obsolet geworden, da der von der jeweiligen Norm herbeigeführte Nutzen oder abgewendete Schaden nun durch die moderne Entwicklung neutralisiert worden sei.

Diesem lässt sich sowohl im Einzelnen, wie im Verlauf dieser Schrift, begegnen, als auch im Allgemeinen. Letzteres will sagen, dass es keine Garantie dafür gibt, dass die angesichts des Alters der Menschheit erst seit extrem kurzer Zeit existierenden modernen Errungenschaften auch nach weiteren hundert Jahren, geschweige denn in alle Ewigkeit, erhalten bleiben. Da der Ehrwürdige Koran das letzte offenbarte Sendschreiben Gottes und Mohammed  der letzte Gesandte Gottes ist, darf auch unter Annahme der Tatsächlichkeit der behaupteten Neutralisierung das offenbarte Normensystem nicht in Vergessenheit geraten, indem es „außer Gebrauch“ gerät, wenn sich die Menschheit bei einer Wiederkehr der alten Bedingungen noch daran erinnern soll. - Darüber hinaus ist die Umsetzung der göttlichen Direktiven, gleich welcher Art diese sein mögen, immer insofern sinnvoll, als diese eine Form des Gottesdienstes ist, für den die Menschheit erschaffen wurde. Für Gottesdienste ist es aber geradezu essentiell, dass sie nicht in erster Linie eines irdischen Nutzens wegen erbracht werden.

Das Fasten des Monats Ramadan

Die oft kolportierte Begründung, man solle damit das Elend der Armen und Hungernden dieser Welt nachfühlen, zählt nicht zu den Hauptgründen und ist lediglich ein begrüßenswerter Nebeneffekt des Fastens, es sei denn höchstens, als Bestandteil eines der folgenden Hauptgründe und weiteren Effekte:

Die Vorzüglichkeit des rituellen Gebets in Gemeinschaft gegenüber dem als Einzelperson

Wie man an der im rituellen Gebet zentralen Formel „Gott ist größer“ ablesen kann, gehört es zu den Zielsetzungen des Gebets, dass sich der Betende der Kleinheit alles Erschaffenen bewusst wird, und zwar einschließlich und besonders seiner eigenen Person, deren Seele sich stets in der Versuchung befindet, sich größer und wichtiger als alles andere zu machen. Dieses Bewusstsein gelingt naturgemäß in den wohlgeordneten Reihen einer großen Gruppe am besten, denn hier kommt sich die Einzelperson kleiner vor, zur Zeit der Pilgerfahrt in Mekka sogar fast wie ein Tropfen in einem Ozean.

Außerdem gereicht es Gott  umso mehr zur Ehre, je größer die Gruppe ist, die ihre Unterwerfung Ihm gegenüber ausdrückt. Die Machtwürde Gottes wird der Seele des Einzelnen hier besonders eindrücklich bewusst gemacht.

Das Verbot von Unzucht und Promiskuität

Man könnte auf die Idee kommen, durch moderne Verhütungsmittel wie die Pille, sowie heutige staatliche, Betreuung bietende Institutionen seien das Risiko und die sozialen, mit schweren Nachteilen für das Kind einhergehenden Komplikationen außerehelicher Schwangerschaften kaum mehr vorhanden. Das Verbot behält dennoch nach wie vor seine Wichtigkeit.





1 Die Essentialität dieses Punktes wird manchem Betrachter erst verständlich, wenn ihm bewusst wird, wofür Ehe in sozialer, in anthropologischer und in zivilisatorischer Hinsicht überhaupt da ist.