Korangemäßes Zeitmanagement - Lichtwort
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Korangemäßes Zeitmanagement

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Korangemäßes Zeitmanagement

﴿ يَـٰـأَيُّهَا المْزَّمِّلُ • قُمِ الَّيْلَ إِلاَّ قَلِيلاً • نِصْفَهُ أَوِ انْقُصْ مِنْهُ قَليلاً • أَوْ زِدْ عَلَيْهِ وَرَتِّلْ الْقُرْءَانَ تَرْتيلاً • إِنّا سَنُلْقي عَلَيْكَ قَوْلاً ثَقيلاً • إِنَّ ناشِئَةَ الَّيْلِ هِيَ أَشَدُّ وَطْأً وَأَقْوَمُ قِيلاً • إِنَّ لَكَ فِي النَّهارِ سَبْحًا طَوِيلاً • وَاذْكُرِ اسْمَ رَبِّكَ وَتَبَتَّلْ إِلَيْهِ تَبْتِيلاً • ربُّ الْمَشْرِقِ وَالْمَغْرِبِ لآ إلَــٰهَ إِلاَّ هُوَ فَاتَّخِذْهُ وَكِيلاً ﴾

﴾ yaa ayyuha al-muzzammil • qum il-layla illaa qaleelaa • niSfahuu au inqos minhu qaleela • au zid €alayhi ua rattil il-qur°aana tarteelaa • innaa sanulqee €alayka qaulan thaqeela • inna naashi°at al-layli hiya ashaddu uaT°an wa aquamu qeela • inna laka fi n-nahaari sabħan Taueela • ua dhkur isma rabbika ua tabattal ilayhi tabteela • rabb ul-mashriqi ua al-maghribi laa ilaaha illaa hua fattakhidh-hu uakeela ﴿

DU EINGEHÜLLTER • STEH DIE NACHT, BIS AUF EIN WENIGES • IHRE HÄLFTE, ODER MINDER’ DAVON WENIGES • ODER FÜG HINZU, UND DAS LESEWERK: IN REZITIERUNG REZITIERE ES • DENN WERFEN WERDEN WIR AUF DICH GEWICHTIGES ZU SAGENDES • DENN DAS ENTSTEHENDE DER NACHT TRITT STÄRKER EIN, HAT MEHR VOM SAGEN RICHTIGES • DENN IM TAG HAST DU EIN SCHWIMMEN, EIN LANGE WÄHRENDES • UND ERINNER’ DICH DES NAMENS DEINES HERRN, UND IN ABSONDERUNG ZU IHM SEI ABGESONDERTES • DER HERR DES OSTENS UND DES WESTENS, NIMM IHN DIR ZUM SACHWALTER, DENN KEINE GOTTHEIT AUSSER IHM GIBT ES

Der Ehrwürdige Koran - Sure Nr. 74, al-muzzammil, Vers 1-9.

Im sabħ („Schwimmen, Schweben“) des siebten Verses sehen die Kommentatoren hier die Geschäftigkeit und das damit verbundene Hin- und Herrennen. Dies passt insofern, als dass der vielbeschäftigte Mensch figürlich gesprochen in der Tat täglich in einer großen Menge von Vorhaben, Aufgaben, Problemen und Ablenkungen „schwimmt“. Andererseits bedeutet der Begriff auch „Schweben“:

{ وكل في فلك يسبحون }
UND ALLE SCHWEBEN SIE IN EINER SPHÄRE.
(Sure Nr. 36, yâsîn, Vers 40)

Wenn Pferde in maximaler Geschwindigkeit rennen, scheinen sie über dem Boden fast zu schweben, was möglicherweise der Grund für eine entsprechende, bei Tabariyy zu Sure 79:3 erwähnte arabische Redewendung für ein gerade schnell rennendes Pferd ist:إنه لسابح إذا مر يسرع. So passt auch unter diesem Aspekt die Verwendung von sabħ, um das geschäftige Umhereilen anzudeuten.

So liegt aus dieser und der Betrachtung des gesamten Abschnitts der Schluss nahe, dass nach der koranischen Empfehlung für das Zeitmanagement die organisatorische Devise lautet: „Erst die Arbeit, dann der Gottesdienst.“1

Dies darf jedoch nicht missverstanden werden. Erstens ist diese Devise nur in organisatorischer Hinsicht zu übernehmen, nicht von der Werteskala im Herzen her, denn eigentlich ist der Gottesdienst immer höher als die berufliche Arbeit. Zweitens kann mit der Arbeit auch die des Aufrufs zum Wege Gottes (da€wah) gemeint sein. Zwar dürfte der Prophet (s) zum Zeitpunkt der Offenbarung dieses Abschnitts noch keinen aktiven Aufruf getätigt haben, so dass hier tatsächlich die weltliche oder berufliche Aktivität im Sinn sein sollte, jedoch sind diese Verse ja auch dazu gedacht gewesen, sie auch später in seinem Leben weiterhin zu rezitieren, als die Aktivität des Aufrufs längst den Großteil seiner täglichen Beschäftigungen eingenommen hatte.

Es ergibt sich so ein Gesamtbild, in welchem es dem prophetischen Usus (sunnah) entspricht, hinsichtlich der Zeiteinteilung in der Jugend in einem weltlichen Hauptberuf zu arbeiten und sozusagen nebenberuflich, am besten nachts, den Koran bzw. den Islam zu studieren und dann dieses Verhältnis irgendwann im Laufe des Lebens, jenseits des 40. Lebensjahrs, umzukehren, so dass die weltliche Aktivität zur Neben- und die gottesdienstliche Tätigkeit sowie das Islamstudium zur Haupttätigkeit wird.

Dies sollte vielleicht auch für sehr wohlhabende Muslime gelten, die sich eine davon abweichende Lebensplanung leisten können. Denn Gelehrsamkeit ohne gute Erfahrung im Umgang mit dem Weltlichen ist zweifellos weniger zielführend. Es ist schließlich ein großer Unterschied, ob man als Gelehrter über eine Realität zu urteilen hat, die man selbst jahrzehntelang erfahren hat, oder über eine, die man sich von Sachverständigen lediglich erläutern lässt (wenn letztere dem jeweiligen Gelehrten überhaupt zur Verfügung stehen).

Und mit allem Nachdruck: Auf keinen Fall darf die Devise „Erst die Arbeit, dann der Gottesdienst“ dazu führen, dass man die Rechtzeitigkeit der Gebete verliert, und auch sollte man die Arbeit niemals das Studium der Religion Gottes und den Aufruf zum Guten wirklich verdrängen lassen.

1 Natürlich kann mit der korrekten Absicht auch die berufliche Arbeit ein Gottesdienst ( eibâdah) sein, doch gemeint ist hier das, was auch der Form nach Gottesdienst ist, z.B. Beten, Fasten usw.

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