Die Sonne und die Schlammquelle

Aus dem Vers 18:86 scheint hervorzugehen, dass die Sonne kleiner als die Erde ist und in einer schlammigen Quelle versinkt.

Hiermit ist kein Fehler nachweisbar, denn:

  • Es ist sehr wahrscheinlich ein rein perspektivisches Phänomen gemeint - immerhin lesen wir: Er fand sie in einer schlammigen Quelle untergehend
  • Das betreffende Wort gharaba bedeutet eigentlich weder „versinken“ noch wörtlich „untergehen“, sondern eher „verschwinden“, „unsichtbar werden“ (allenfalls: „sich entfernen“). Auch dies unterstützt den Standpunkt, dass hier die Beschreibung von Optik und Subjektivität vorliegt.
  • Wenn sich der Protagonist am Startpunkt seiner Wanderung gefragt hatte, was es von dort aus gesehen für ein Ort sei, an dem die Sonne (optisch!) untergeht, und an dem entsprechenden Fleck einen schlammigen Quellsee vorfindet, passt es sehr gut zu sagen, er habe nach einer Reise durch die Wüste entdeckt, dass sie in einem schlammigen Quellsee unterging, insbesondere, wenn er noch zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs dort ankam1.
  • Die Formulierung kann sich darauf beziehen, dass er entdeckte, welcher (evtl. letzte bewohnte) Ort es ist, in/hinter welchem die Sonne von seinem Aufbruchsort aus gesehen verschwand, aber auch darauf, dass sie sich im Zustand „Untergangs“ auf der Wasseroberfläche des Quellsees spiegelte. Wie angemessen dies ist, lässt sich sehr gut anhand eines Fotos2 nachvollziehen, nämlich vom Sonnenuntergang in der von teils schlammigen, teils warmen Quellen durchzogenen Oase Siwa, welche sich in einer Lichtwort-Studie als der wahrscheinlich in dem Vers gemeinte „Sonnenuntergangsort“ erweist.
  • Auch ohne geozentrische Ansichten sagen wir noch heute z.B.: „In Amerika geht gerade die Sonne unter.“ Oder z.B. kann ebenfalls noch heute ein Inselbewohner sagen: „Bei uns geht die Sonne im Meer unter.“ Auf Arabisch ist es üblich zu sagen, um auszudrücken, dass der Neumond noch nicht überall auf der Erde sichtbar ist: „Die Mondsichel ist noch nicht in allen Ländern geboren.“ Und auch auf Deutsch ist es problemlos zu sagen - man beachte den Dativ - : „Auf dem Mond scheint kein Mond, auf der Erde schon.“

Siehe auch: Geozentrismus im Koran?

1In dem Lichtwort-Artikel Wer war Dhul Qarnayn? zeigt sich sogar, dass die mit dem Protagonisten gemeinte historische Persönlichkeit wohl tatsächlich vor oder zu Beginn eines Abschnitts ihrer Reise zu dem Ort gelangen wollte, in welchem die Sonne vom Startpunkt ihrer Wanderung aus betrachtet unterging, und dass sie auf diesen Ort zusteuerte, wohlwissend, dass die Sonne nicht wirklich in den Ort eindrang, zumal ihr bekannt gewesen sein dürfte, dass es noch weiter westlich gelegene Orte gab, z.B. Karthago. Einer solchen Bedeutung entsprechend würde der Satz erläuternd umformuliert lauten: „Er entdeckte, dass der Ort, an dem sie (vom Startpunkt seiner Wanderung aus betrachtet) unterging, ein schlammiger Quellsee war.“


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