Haman, der ägyptische Regierungsbeamte

Der Koran nennt Haman, der ihm zufolge offenbar so etwas wie ein hoher Regierungsbeamter desjenigen Pharaos war, mit dem Moses zu tun hatte. Der Bibel zufolge war Haman jedoch ein Regierungsbeamter eines Perserkönigs viele Jahrhunderte später.

Hiermit ist kein Fehler nachweisbar, denn:

  • Der Haman des Koran hat mit dem der Bibel außer dem hohen Posten bei einem König so gut wie nichts gemeinsam. Es handelt sich also um zwei verschiedene Personen.
  • Eine Vielzahl von Indizien lässt kaum einen Zweifel, dass der im Ehrwürdigen Koran erwähnte Pharao kein anderer als Ramses II. ist. Alle Beschreibungen des Haman im Koran zusammengenommen, kommt für die Identifikation mit seiner Person am ehesten Ramses' II. „Premierminister“ Rahotep in Frage. Dieser Vorname ähnelt natürlich kaum dem Namen „Haman“ - andererseits ist das aus verständlichen Gründen beim Namen „Pharao“ bezüglich des Vornamens „Ramses“ ebenso wenig der Fall. Dies lässt die Frage aufkommen, ob der Name nicht etwas mit den Funktionen der Person zu tun haben könnte. Tatsächlich wurde Rahotep während seiner Wesirszeit zum Hohenpriester ernannt,1 auf altägyptisch ħem-netjer (tepy)2 oder evtl. ħamanetjer3. Die Ähnlichkeit beider Formen ist nicht von der Hand zu weisen, erst recht mit dem Wissen, dass Arabisierungen fremder langer Eigennamen meist mit Abkürzungen einhergehen4, sowie der Möglichkeit, dass diese Arabisierung vom Koran auch den Zweck hat, essentielle Assoziationen mit sich zu führen.5
  • Die Historizität der biblischen Angaben ist wissenschaftlich fragwürdig. (Mehr dazu hier)
1 Christine Raedler, „Die Wesire Ramses' II. - Netzwerke der Macht“, in: „Das ägyptische Königtum im Spannungsfeld zwischen Innen- und Außenpolitik im 2. Jahrtausend v. Chr.“ (Hrsg. Rolf Gundlach und Andrea Klug), Wiesbaden 2005, S. 373. - Raedler geht davon aus, dass Rahotep seine Wesirstätigkeit für das Amt des Hohenpriesters aufgegeben habe, andererseits legen seine von ihr zitierten eigenen Worte Anderes nahe.
2 Toby Wilkinson, „The Egyptian World“, London / New York 2007
3 Das hocharabische a ähnelt dem deutschen „e“, zudem ist die Vokalisation vieler, wenn nicht der allermeisten altägyptischen Wörter unsicher, so dass evtl. die hier vorgeschlagene Form in Frage kommt. Das ursprüngliche Konsonantengerippe lautet lediglich: ħm ntjr
4 Vgl. arisTô (Aristoteles), ghusht (Augustus), injîl (Evangelium), iblîs (Diábolos) etc.
5 Die Assoziation zum arabischen Verb haymana („beherrschen, kontrollieren“) passt ebenso zu der beschriebenen Person wie auch diejenige zum Verb hâma („krankhaft lieben“), zumal sie Pharao blind folgte und vergötterte.


Widerspruchsfreiheit zu naturwissenschaftlichen Fakten: Übereinstimmung mit anderen externen Fakten: Theologie und Dogmatik: Ethik: Geschlechtergerechtigkeit:
Innere Widerspruchsfreiheit: Sonstiges: