Die „Nicht-Fehler“ des Koran
Ist es überhaupt möglich, die Fehlerlosigkeit eines Buches zu beweisen? Jeder, der Erfahrung in objektiver denkerischer Aktivität hat, weiß, wie problematisch es ist, die Nicht-Existenz von etwas zu beweisen, gegen dessen Existenz logisch zunächst nichts spricht. Solche Beweise können immer nur näherungsweise Beweise sein: Je häufiger jemand Raben sieht, ohne jemals einen grünen Raben gesehen zu haben, desto mehr ist diese Wahrnehmung ein Beweis dafür, dass es keine grünen Raben gibt. Es bleibt jedoch ein Näherungsbeweis, zumal grüne Raben logisch nicht ausschließbar sind - allerdings ist ein solcher „Beweis“ hinreichend, zumal hierauf strafrechtliche Verfahren in der ganzen Welt basieren, z.B. hinsichtlich der hinreichend begründeten Annahme, dass es keine zwei Personen mit identischen Fingerabdrücken gibt. Die dazugehörige Erfahrung ist ebenso nur ein näherungsweiser, jedoch hinreichender Beweis.
Viel problematischer ist dagegen, als Befürworter eines Buches beweisen zu wollen, dass sich darin keine Fehler befinden - zu groß ist die Gefahr der Einäugigkeit und Befangenheit. Darum soll der Beweis auf diesen Seiten dadurch geführt werden, dass gezeigt wird, dass selbst die Gegner des Koran (insbesondere Chauvinisten und evangelikale Missionare), die größten Anstrengungen unternommen haben, um Fehler in ihm zu finden, und dann einfach zu zeigen, dass überall dort, wo sie behaupten, Fehler gefunden zu haben, einem Irrtum bzw. einer Voreiligkeit unterlegen sind. Wir „helfen“ diesen leidenschaftlichen Gegnern des Koran gerne sogar dadurch, dass wir von ihnen unbeachtete Stellen, aufgrund derer sich jemand aus mangelhafter Kenntnis oder Unachtsamkeit Fehler im Koran einbilden könnte, ebenfalls einbeziehen. Aus Zeitgründen soll dies alles hier nach und nach geschehen (siehe Listen links und rechts).
Die Makellosigkeit des Ehrwürdigen Koran wird also insbesondere darin sichtbar, dass massenhafte missionarische Angriffsversuche nichtmuslimischer religiöser Eiferer und anderer Ideologen in Form der Behauptung angeblicher Widersprüche und Fehler auf ihn „niederregnen“, ohne den geringsten Kratzer zu hinterlassen, d.h. ohne auch nur einen echten Fehler aufzeigen zu können.
Auf der linken und der rechten Seite sehen Sie eine Reihe derartiger Beispiele zum Anklicken. Wenn Ihnen dort ein Beispiel fehlt, dass Ihrer Meinung nach schon jetzt hinzugefügt werden sollte, senden Sie es bitte per E-mail (siehe Impressum), gleich ob mit oder ohne Auflösung des angeblichen Problems.
Auf diesen Seiten wird vermutlich nie jedes bewusste oder unbewusste Missverständnis aufgeführt werden - viele sind schlicht nicht nennenswert und dienen den Polemikern vorrangig als „Füllmaterial“, um den Eindruck zu erwecken, sie hätten besonders viele Fehler gefunden. Auf die Spitze getrieben hat es die Seite „1000mistakes.com“, welche von 1700 (!) Fehlern und Widersprüchen spricht. Dies wohlgemerkt bei einem Buch, das nur ca. 600 Seiten umfasst - das wären auf jeder Seite durchschnittlich etwa drei Fehler. Der Zweck ist wohl, beim Leser den Gedanken aufkommen zu lassen, bei einer derart großen Menge von Behauptungen werde sich wenigstens ein Bruchteil auf echte Fehler beziehen. Abgesehen von dem pathologisch auffälligen Schreibstil mancher derartiger Seiten, der oft darauf schließen lässt, dass ihr Verfasser an seiner inneren Ausgeglichenheit zu arbeiten hat, ist dazu allenfalls zu sagen:
- Von 1700 Fehlern und Widersprüchen zu sprechen und im selben Atemzug zu sagen, der Verfasser des Buches sei gerissen und hochintelligent, passt nicht zusammen.
- Gäbe es im Koran nur einen einzigen echten Fehler, würde es genügen, diesen einzigen Fehler hervorzuheben und gut zu dokumentieren, um zu beweisen, dass der gesamte Koran nicht vollkommen zuverlässig ist. Dass sich aber jemand zur Widerlegung des göttlichen Ursprungs des Koran stattdessen die Mühe macht, hunderte oder gar tausende angeblicher Fehler zusammenzutragen, ist ein Indiz dafür, dass er um die Schwäche seiner Darlegungen weiß und versucht, das Fehlen von Qualität mit Quantität zu kompensieren.
- Typisch für die „Qualität“ der sogenannten Fehlerentdeckungen ist zum Beispiel, den an so manchen Stellen des Koran zu findenden erhabenen Stil des unvermittelten klaren Perspektivwechsels einfach zum Fehler zu erklären: al-fâtiħah, die erste Sure des Koran, ist teils als Bittgebet formuliert, darum könne sie nicht von Gott offenbart worden sein, denn Gott könne sich ja nicht selbst bitten, sagt der Autor. Darüber, inwiefern der Autor selbst an die Aussagekraft solcher Hinweise glaubt, lässt sich natürlich allenfalls spekulieren.
Als Erklärung für viele Irrtümer der Korankritiker nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass sich die meisten von ihnen auf bloße Übersetzungen des Koran stützen. Dass diese Fehler beinhalten und Widersprüche aufweisen können, ist auch nicht verwunderlich, handelt es sich bei Übersetzungen doch um Menschenwerk, während das Original des Koran aber das Wort Gottes ist.
Auch wird oft missachtet, dass der Koran seine eigene Terminologie hat, z.B. glauben/behaupten Autoren bei „answering-islam.org“, mit al-mushrikûn („Beigeseller“) seien auch Christen gemeint, weil diese ja laut Koran shirk („Beigesellung“) begehen. Wer die Vorkommnisse des Begriffs al-mushrikûn im Koran jedoch verfolgt, merkt bald, dass damit eine eigene Gruppe gemeint ist und er die Christen nicht mit einschließt (immerhin identifizieren sie sich, anders als jene Gruppe, nicht mit Beigesellung). Ein weiteres Beispiel ist der Begriff zakâh („Läuterung“), mit welchem im Koran fast an allen betreffenden Stellen die jährliche Pflichtabgabe (an Arme und Bedürftige etc.) gemeint ist. Dies ist eine bekannte Vorgehensweise des Koran, nämlich die Reservierung von Termini zur Konstruktion einer eigenen Terminologie. Durch die Berücksichtigung dieser Tatsache erledigen sich viele angebliche Widersprüche von selbst.